Besser schlafen: 8 Tipps, Melatonin & Ursachen erklärt
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Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information über Schlaf und Schlafstörungen. Er ersetzt keine individuelle ärztliche, psychotherapeutische oder pharmazeutische Beratung.
Partnerhinweis: CannaRoKo unterstützt diesen Beitrag als bezahlter Partner. Die Auswahl, Bewertung und Einordnung der wissenschaftlichen Quellen erfolgt redaktionell unabhängig.
Wer besser schlafen möchte, sollte nicht zuerst nach dem einen perfekten Schlafmittel suchen. Entscheidend sind vor allem ein stabiler Schlaf-Wach-Rhythmus, ausreichend Tageslicht am Morgen, weniger helles Licht am Abend, ein sinnvoller Umgang mit Koffein und die Frage, ob das Bett tatsächlich wieder mit Schlaf statt mit langem Wachliegen verbunden ist.
Bei länger anhaltender Schlaflosigkeit reichen allgemeine Schlafhygiene-Tipps allerdings häufig nicht aus. Die aktuelle deutsche S3-Leitlinie empfiehlt die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie – kurz KVT-I – als erste Behandlungsoption. Auch die europäische Insomnie-Leitlinie bewertet CBT-I als First-Line-Therapie bei chronischer Insomnie.
Aktuelle deutsche S3-Leitlinie „Insomnie bei Erwachsenen“
Um 2:13 Uhr zeigt der Wecker noch fünf Stunden bis zum Aufstehen. Der Körper ist müde, doch im Kopf läuft der Tag weiter: das schwierige Gespräch von gestern, die Aufgaben von morgen und zusätzlich der Gedanke, jetzt unbedingt einschlafen zu müssen.
Am nächsten Abend geht man vorsichtshalber früher ins Bett – und liegt erneut lange wach.
Genau so kann ein Kreislauf entstehen, in dem der Wunsch, besser zu schlafen, selbst immer mehr Druck erzeugt. Nicht jedes Wachliegen ist deshalb bereits eine Schlafstörung. Entscheidend sind Häufigkeit, Dauer und die Folgen am nächsten Tag.
Erwachsene sollten regelmäßig mindestens sieben Stunden Schlaf bekommen; für viele Erwachsene sind etwa sieben bis neun Stunden angemessen.
Eine regelmäßige Aufstehzeit kann den Schlaf-Wach-Rhythmus stabilisieren.
Tageslicht am Morgen unterstützt die innere Uhr.
Helles Licht am späten Abend kann die Melatoninfreisetzung unterdrücken und die innere Nacht verschieben.
Koffein, Alkohol, Nikotin, Medikamente und andere Substanzen können den Schlaf beeinflussen.
Melatonin ist vor allem ein Signalgeber für die innere Uhr, kein universeller „Ausschalter“.
Bei chronischer Insomnie gilt KVT-I als Therapie der ersten Wahl.
Laut aktueller deutscher Leitlinie ist Melatonin bei Insomnie für Menschen ab 55 Jahren wirksam, eine langfristige Behandlung wird jedoch nicht empfohlen.
Atempausen, extreme Tagesmüdigkeit oder länger anhaltende Schlafprobleme sollten medizinisch abgeklärt werden.
Wer seinen Schlaf verbessern möchte, konzentriert sich häufig zuerst auf die Uhrzeit des Zubettgehens.
Dabei ist auch der Zeitpunkt des Aufstehens ein wichtiger Anker für den Schlaf-Wach-Rhythmus. Stark wechselnde Aufstehzeiten können dazu führen, dass sich die innere Uhr immer wieder verschiebt.
Das bedeutet nicht, dass jeden Tag minutengenau derselbe Wecker klingeln muss. Sinnvoll ist vielmehr ein möglichst stabiler Rhythmus, der auch am Wochenende nicht vollständig auseinanderfällt.
Bei chronischer Insomnie ist die Steuerung von Bett- und Schlafzeiten Bestandteil der kognitiven Verhaltenstherapie. Die deutsche S3-Leitlinie nennt unter anderem Stimuluskontrolle und Bettzeitrestriktion als Bestandteile der KVT-I.
Die innere Uhr wird wesentlich durch Licht gesteuert.
Helles Licht am Morgen signalisiert dem Körper, dass der aktive Teil des Tages beginnt. Dadurch wird auch der zeitliche Verlauf des zirkadianen Systems beeinflusst.
Ein kurzer Weg nach draußen kann deshalb ein sinnvoller Bestandteil eines stabilen Schlaf-Wach-Rhythmus sein – besonders bei Menschen, die morgens und tagsüber viel Zeit in Innenräumen verbringen.
Wer besser schlafen möchte, sollte am Abend nicht ausschließlich darauf achten, ob das Smartphone einen Blaulichtfilter besitzt.
Entscheidend sind auch:
Lichtintensität,
Dauer der Exposition,
Zeitpunkt,
Entfernung zur Lichtquelle.
Eine kontrollierte Crossover-Studie von Chang und Kolleg:innen verglich bei zwölf Erwachsenen mehrere Abende mit einem lichtemittierenden E-Reader mit dem Lesen eines gedruckten Buches.
Beim E-Reader wurde Melatonin stärker unterdrückt, die zirkadiane Phase verzögerte sich und die Wachheit am folgenden Morgen war reduziert. Die Studie war klein und die damals verwendeten Geräte lassen sich nicht eins zu eins auf jedes moderne Display übertragen – sie zeigt aber sehr deutlich, dass Abendlicht biologische Effekte haben kann.
Chang et al. (2015) bei PubMed
Praktisch kann deshalb helfen:
Raumlicht am Abend reduzieren,
Bildschirmhelligkeit senken,
sehr helle Displays kurz vor dem Schlafen vermeiden,
eine ruhige Offline-Phase einplanen.
Koffein steckt nicht nur in Kaffee.
Auch:
Energydrinks,
Cola,
schwarzer und grüner Tee,
manche Medikamente
können relevante Mengen enthalten.
Wie spät Koffein den Schlaf noch beeinflusst, unterscheidet sich individuell. Deshalb ist eine starre Uhrzeit für jeden Menschen wenig sinnvoll.
Wer Schwierigkeiten beim Einschlafen hat, kann über einen begrenzten Zeitraum beobachten, ob ein früherer Koffein-Stopp einen Unterschied macht.
Alkohol kann zwar subjektiv müde machen und das Einschlafen erleichtern.
Das bedeutet aber nicht automatisch besseren Schlaf.
Alkohol kann die Schlafstruktur und den Schlaf in der zweiten Nachthälfte beeinträchtigen. Wer regelmäßig Alkohol zum Einschlafen nutzt, löst damit außerdem nicht die eigentliche Ursache der Einschlafprobleme.
Ähnlich gilt: Nikotin ist keine geeignete Einschlafhilfe und kann aktivierend wirken.
Müde und schläfrig sind nicht exakt dasselbe.
Jemand kann körperlich erschöpft sein und trotzdem gedanklich stark aktiviert bleiben.
Wer sehr früh ins Bett geht, um Schlaf „nachzuholen“, verbringt möglicherweise immer mehr Zeit wach im Bett. Dadurch kann das Bett zunehmend mit Grübeln, Frustration und Uhrbeobachtung verbunden werden.
Die Stimuluskontrolle ist deshalb ein zentraler Bestandteil der KVT-I. Dabei geht es unter anderem darum, die Verbindung zwischen Bett und Schlaf wieder zu stärken.
Je stärker jemand denkt:
„Ich muss jetzt sofort schlafen.“
desto mehr kann Schlaf zum Leistungstest werden.
Bleibt man längere Zeit wach und nimmt die innere Anspannung deutlich zu, kann es sinnvoller sein, das Bett vorübergehend zu verlassen und einer ruhigen Tätigkeit bei gedämpftem Licht nachzugehen.
Das Ziel ist nicht, sich absichtlich wachzuhalten.
Es geht darum, langes frustriertes Wachliegen nicht immer weiter zu trainieren.
Regelmäßige Bewegung kann einen gesunden Schlaf unterstützen und wird in der europäischen Leitlinie als mögliche ergänzende Maßnahme zur KVT-I genannt.
Dabei muss nicht jeden Abend ein intensives Workout stattfinden.
Spaziergänge, Radfahren, Sport und allgemein mehr Aktivität im Tagesverlauf können sinnvoll sein. Sehr intensive Belastung unmittelbar vor dem Schlafengehen empfinden manche Menschen dagegen als aktivierend.
Wichtiger als ein perfektes Programm ist eine Bewegungsform, die langfristig in den Alltag passt.
Die American Academy of Sleep Medicine und die Sleep Research Society empfehlen gesunden Erwachsenen, regelmäßig mindestens sieben Stunden pro Nacht zu schlafen.
Im zugrunde liegenden Expertenkonsens wurden sieben bis neun Stunden für gesunde Erwachsene als angemessener Bereich bewertet. Gleichzeitig unterscheidet sich der individuelle Schlafbedarf.
AASM/SRS-Konsens zur empfohlenen Schlafdauer
Mehr als neun Stunden können beispielsweise für junge Erwachsene, Menschen mit Schlafdefizit oder während einer Erkrankung angemessen sein.
Entscheidend ist deshalb nicht nur:
„Wie lange lag ich im Bett?“
sondern auch:
Wie wach bin ich tagsüber?
Wie regelmäßig schlafe ich?
Wache ich häufig auf?
Fühle ich mich erholt?
Besteht ausgeprägte Tagesmüdigkeit?
Schlaf ist keine passive Phase, in der der Körper einfach abschaltet.
Während einer Nacht wechseln verschiedene Schlafstadien. Dazu gehören leichter Non-REM-Schlaf, tieferer Schlaf und REM-Schlaf.
Diese Schlafarchitektur verändert sich im Verlauf der Nacht und mit dem Alter. Deshalb ist die Vorstellung, möglichst viel Tiefschlaf sei automatisch das einzige Qualitätsmerkmal, zu simpel.
Besonders eindrücklich zeigt eine kontrollierte Untersuchung von Van Dongen und Kolleg:innen, wie sich wiederholt kurze Nächte auf die Leistungsfähigkeit auswirken können.
48 gesunde Erwachsene verbrachten über 14 Tage entweder vier, sechs oder acht Stunden pro Nacht im Bett. Bei vier beziehungsweise sechs Stunden entstanden zunehmende kognitive Leistungseinbußen, während die subjektive Müdigkeit deutlich weniger stark mit den objektiven Defiziten zunahm.
Das bedeutet vereinfacht:
Menschen können sich subjektiv an kurze Nächte gewöhnen, obwohl ihre Leistungsfähigkeit weiter abnimmt.
Van Dongen et al. (2003) bei PubMed
Schlaf steht außerdem mit Gedächtnis, emotionaler Verarbeitung, Immunfunktion und Stoffwechselprozessen in Verbindung.
Wer besser schlafen möchte, sollte deshalb nicht nur das Einschlafen betrachten, sondern auch Schlafdauer, Regelmäßigkeit und Tagesfunktion.
Melatonin ist ein körpereigenes Hormon, dessen Produktion eng mit der inneren Uhr verbunden ist.
Bei biologischer Dunkelheit steigt die Melatoninfreisetzung an. Das Signal unterstützt den Körper dabei, sich auf die nächtliche Ruhephase einzustellen.
Melatonin erzeugt Schlaf aber nicht allein.
Parallel baut sich während der Wachzeit der sogenannte homöostatische Schlafdruck auf. Vereinfacht wirken damit mindestens zwei Systeme zusammen:
Wie lange war der Mensch bereits wach?
Zu welcher biologischen Tageszeit befindet sich der Körper?
Genau deshalb kann jemand erschöpft sein und trotzdem nicht einschlafen.
Licht gehört zu den stärksten äußeren Zeitgebern für das zirkadiane System.
Die bereits erwähnte Studie von Chang et al. zeigte unter kontrollierten Bedingungen eine stärkere Unterdrückung von Melatonin und eine Verschiebung der inneren Uhr beim abendlichen Lesen auf einem lichtemittierenden Gerät.
Das heißt nicht:
„Handy = automatisch Schlafstörung.“
Es bedeutet vielmehr, dass Intensität, Zeitpunkt und Dauer von Licht am Abend berücksichtigt werden sollten.
Melatoninpräparate werden häufig so behandelt, als seien sie eine universelle Abkürzung zum Einschlafen.
Die Datenlage ist deutlich differenzierter.
Eine Meta-Analyse von Ferracioli-Oda, Qawasmi und Bloch untersuchte 19 randomisierte, placebokontrollierte Studien mit insgesamt 1.683 Teilnehmenden.
Im Durchschnitt reduzierte Melatonin die Einschlafzeit um etwa sieben Minuten und erhöhte die gesamte Schlafzeit um ungefähr acht Minuten. Die Effekte waren damit statistisch nachweisbar, aber insgesamt moderat.
Ferracioli-Oda et al. (2013) bei PubMed
Besonders wichtig ist inzwischen die aktualisierte deutsche S3-Leitlinie „Insomnie bei Erwachsenen“, Version 2.0, veröffentlicht 2025.
Dort wird festgehalten:
Melatonin ist bei Patientinnen und Patienten ab 55 Jahren mit Insomnie wirksam.
Eine Langzeitbehandlung der Insomnie mit Melatonin soll nicht empfohlen werden.
KVT-I bleibt die erste Behandlungsoption.
Die Leitlinienautor:innen weisen außerdem darauf hin, dass sie die Beschaffung melatoninhaltiger Präparate über Apotheken gegenüber anderen Bezugsquellen mit einer höheren Produktsicherheit verbinden.
Deutsche S3-Leitlinie Insomnie 2025
Auch die europäische Insomnie-Leitlinie unterscheidet zwischen verschiedenen Melatonin-Präparaten.
Retardiertes Melatonin kann laut Leitlinie bei Menschen ab 55 Jahren zeitlich begrenzt eingesetzt werden. Schnell freisetzendes Melatonin wird dagegen nicht generell zur Behandlung einer Insomnie empfohlen.
Das zeigt, warum Aussagen wie:
„Melatonin hilft beim Schlafen.“
zu pauschal sind.
Alter, Ursache der Schlafprobleme, Präparat und Ziel der Anwendung spielen eine Rolle.
Wer bereits Medikamente einnimmt und zusätzlich Melatonin oder andere Schlafpräparate verwenden möchte, sollte nicht nur auf den einzelnen Wirkstoff schauen.
Relevant können beispielsweise sein:
bestehende Tagesmüdigkeit,
weitere sedierende oder zentral wirksame Arzneimittel,
Einnahmezeitpunkte,
individuelle Nebenwirkungen,
Reaktionsfähigkeit und Fahrtüchtigkeit.
Das gilt auch dann, wenn bereits eine ärztlich verordnete Medizinalcannabis-Therapie besteht.
Eine pauschale Aussage wie „Cannabis und Melatonin kann man problemlos kombinieren“ wäre nicht seriös. Ebenso wenig sollte automatisch davon ausgegangen werden, dass eine Kombination grundsätzlich problematisch ist.
Entscheidend ist die individuelle Medikation.
Unser Partner CannaRoKo ist der auf Medizinalcannabis spezialisierte Bereich der Robert-Koch-Apotheke in Bitterfeld-Wolfen.
Apotheker und Inhaber Björn Arbter und sein Team nennen auf ihrer Website ausdrücklich Beratung zu Anwendung und Wechselwirkungen als Bestandteil ihres Angebots für Patientinnen und Patienten mit Medizinalcannabis.
Gerade wenn neben einer bestehenden Medikation ein zusätzliches Schlafpräparat genutzt werden soll, kann eine pharmazeutische Einordnung helfen, die gesamte Arzneimittelsituation statt nur ein einzelnes Produkt zu betrachten.
CannaRoKo bietet die Beratung vor Ort in Bitterfeld-Wolfen an und versorgt Medizinalcannabis-Patient:innen laut eigener Website auch deutschlandweit.
Mehr über CannaRoKo und die pharmazeutische Beratung erfahren
Wichtig: Änderungen an einer ärztlich verordneten Therapie sollten nicht eigenständig vorgenommen werden. Bei Unsicherheiten gehören Arzt und Apotheke in die Entscheidung einbezogen.
Einzelne schlechte Nächte sind noch keine chronische Schlafstörung.
Nach der in der aktuellen deutschen S3-Leitlinie beschriebenen ICD-11-Systematik liegt eine chronische insomnische Störung vor, wenn entsprechende Beschwerden mehrmals pro Woche über mindestens drei Monate auftreten.
Zusätzlich geht es nicht nur um nächtliches Wachliegen. Entscheidend ist, dass die Beschwerden auch mit einer relevanten Beeinträchtigung am Tag verbunden sind.
Dazu können beispielsweise gehören:
Konzentrationsprobleme,
Leistungsabfall,
ausgeprägte Müdigkeit,
Reizbarkeit,
eingeschränktes Wohlbefinden.
S3-Leitlinie – Diagnostik der Insomnie
Eine Abklärung ist besonders sinnvoll, wenn Schlafprobleme über längere Zeit bestehen oder deutliche Tagesfolgen verursachen.
Zusätzlich sollten mögliche andere Schlafstörungen berücksichtigt werden.
Dazu gehören beispielsweise Hinweise auf:
lautes oder unregelmäßiges Schnarchen,
beobachtete Atempausen,
ausgeprägte Tagesmüdigkeit,
unkontrollierbares Einschlafen,
starke Bewegungsunruhe in den Beinen,
ungewöhnliche Verhaltensweisen während des Schlafs.
Die S3-Leitlinie empfiehlt bei begründetem Verdacht auf andere Schlafstörungen eine entsprechende weitere Diagnostik; eine Polysomnographie kann beispielsweise beim Verdacht auf schlafbezogene Atmungsstörungen oder periodische Beinbewegungen eingesetzt werden.
Starke Müdigkeit im Straßenverkehr ist kein Problem, das bis zum nächsten Arzttermin ignoriert werden sollte. Wer nicht sicher fahren kann, sollte nicht fahren.
Bei chronischer Insomnie ist die wichtigste wissenschaftliche Botschaft nicht:
„Probier noch drei weitere Schlafhacks.“
Die aktuelle deutsche S3-Leitlinie empfiehlt die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie als erste Behandlungsoption.
Auch die europäische Leitlinie kommt zu derselben grundlegenden Empfehlung.
KVT-I umfasst unter anderem:
Psychoedukation,
Stimuluskontrolle,
Entspannungsverfahren,
kognitive Therapie,
eine gezielte Steuerung der Bettzeit.
Das erklärt auch, warum einige intuitiv logisch klingende Strategien nach hinten losgehen können.
Wer nach einer schlechten Nacht beispielsweise immer früher ins Bett geht und immer länger liegen bleibt, erhöht möglicherweise vor allem die Wachzeit im Bett.
Eine professionelle KVT-I verfolgt deshalb nicht das Ziel, einfach möglichst viel Zeit im Bett zu verbringen, sondern Schlaf und Bettzeit wieder sinnvoll aufeinander abzustimmen.
Eine gezielte Bettzeitrestriktion sollte insbesondere bei gesundheitlichen Besonderheiten nicht ohne fachkundige Anleitung umgesetzt werden.
Wer seine Nächte nur aus dem Gedächtnis bewertet, erinnert besonders schlechte Nächte häufig stärker als durchschnittliche.
Ein Schlaftagebuch kann helfen, Muster sichtbar zu machen.
Die aktuelle deutsche S3-Leitlinie empfiehlt im Rahmen der Insomnie-Diagnostik ein Schlaftagebuch über 7 bis 14 Tage.
Notiert werden können beispielsweise:
Zeitpunkt des Zubettgehens,
geschätzte Einschlafzeit,
nächtliche Wachphasen,
Aufstehzeit,
Tagesmüdigkeit,
Koffein,
Alkohol,
Medikamente,
besondere Belastungen.
Das Tagebuch ersetzt keine Diagnose.
Es kann aber eine deutlich bessere Grundlage für das Gespräch mit Arzt, Psychotherapeut oder Apotheke liefern als die pauschale Aussage:
„Ich schlafe einfach schlecht.“
Wer besser schlafen möchte, braucht meistens keinen einzelnen Trick.
Ein stabiler Schlaf-Wach-Rhythmus, Tageslicht am Morgen, weniger helles Licht am Abend, ein sinnvoller Umgang mit Koffein und ein Bett, das möglichst wieder mit Schlaf statt stundenlangem Wachliegen verbunden wird, sind sinnvolle Ausgangspunkte.
Melatonin spielt als körpereigener Zeitgeber eine wichtige Rolle – als Präparat ist seine Wirkung bei Schlafproblemen aber deutlich differenzierter, als Werbung häufig vermuten lässt.
Bei länger anhaltender Insomnie ist die wissenschaftlich wichtigste Empfehlung die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie.
Und wenn bereits Medikamente oder eine Medizinalcannabis-Therapie bestehen, sollte ein zusätzliches Schlafpräparat nicht isoliert betrachtet werden. Hier kann die pharmazeutische Beratung – beispielsweise durch unseren Partner CannaRoKo – helfen, die individuelle Medikation im Gesamtbild zu betrachten.
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis:
Guter Schlaf lässt sich begünstigen. Erzwingen lässt er sich nicht.
Gesunden Erwachsenen werden regelmäßig mindestens sieben Stunden Schlaf empfohlen.
Für viele Erwachsene liegt ein angemessener Bereich ungefähr zwischen sieben und neun Stunden. Der individuelle Schlafbedarf kann jedoch variieren.
Eine universelle Sofortmaßnahme gibt es nicht.
Bei gelegentlichen Einschlafproblemen können ein stabiler Rhythmus, weniger helles Licht am Abend, ein früherer Koffein-Stopp und weniger Druck beim Einschlafen helfen.
Bei chronischer Insomnie gilt KVT-I als Behandlung erster Wahl.
Melatonin kann die Einschlafzeit bei bestimmten Schlafproblemen im Durchschnitt verkürzen.
Eine Meta-Analyse fand eine durchschnittliche Verkürzung von ungefähr sieben Minuten und einen Anstieg der gesamten Schlafzeit um rund acht Minuten.
Die Wirkung ist damit im Durchschnitt moderat.
Bei chronischer Insomnie sollte Melatonin nicht pauschal als Ersatz für eine gezielte Behandlung betrachtet werden.
Der richtige Zeitpunkt hängt vom Grund der Anwendung und vom jeweiligen Präparat ab.
Bei zirkadianen Problemen kann das Timing entscheidend sein. Deshalb ist „immer direkt beim Zubettgehen“ keine allgemeingültige Regel.
Bei anderen Medikamenten oder bestehenden Erkrankungen sollte Zeitpunkt und Anwendung fachlich abgeklärt werden.
Diese Frage lässt sich nicht pauschal mit Ja oder Nein beantworten.
Entscheidend sind unter anderem die bestehende Therapie, weitere Medikamente, individuelle Müdigkeit und mögliche Einschränkungen der Reaktionsfähigkeit.
Wer bereits Medizinalcannabis verordnet bekommt und zusätzlich ein Schlafpräparat einsetzen möchte, sollte die Kombination mit Arzt oder Apotheke besprechen.
Unser Partner CannaRoKo berät laut eigener Website Patient:innen mit Medizinalcannabis unter anderem zu Anwendung und Wechselwirkungen.
Müdigkeit und tatsächliche Schlafbereitschaft sind nicht identisch.
Stress, Grübeln, Licht, eine verschobene innere Uhr oder lange Wachphasen im Bett können dazu führen, dass jemand erschöpft ist und trotzdem nicht einschläft.
Eine ärztliche Abklärung ist sinnvoll, wenn Beschwerden länger anhalten, regelmäßig auftreten und den Alltag beeinträchtigen.
Besonders wichtig ist eine Abklärung bei:
beobachteten Atempausen,
extremer Tagesmüdigkeit,
Einschlafen in gefährlichen Situationen,
starkem Bewegungsdrang in den Beinen,
psychischen oder körperlichen Begleiterkrankungen.
Spiegelhalder K. et al.
AWMF-Registernummer 063-003.
Veröffentlicht 16. April 2025, gültig bis November 2029.
Enthält aktuelle deutsche Empfehlungen zu Diagnostik, KVT-I, medikamentöser Behandlung, Melatonin, Schlaftagebüchern und Differenzialdiagnostik.
Vollständige S3-Leitlinie bei der AWMF
The European Insomnia Guideline: An update on the diagnosis and treatment of insomnia 2023.
Journal of Sleep Research, 32(6): e14035.
DOI: 10.1111/jsr.14035.
Aktuelle europäische Leitlinie zu Diagnostik und Behandlung der Insomnie. CBT-I wird als First-Line-Behandlung empfohlen.
The cumulative cost of additional wakefulness: dose-response effects on neurobehavioral functions and sleep physiology from chronic sleep restriction and total sleep deprivation.
Sleep, 26(2), 117–126.
DOI: 10.1093/sleep/26.2.117. PMID: 12683469.
Kontrollierte Schlafrestriktionsstudie mit 48 gesunden Erwachsenen.
Evening use of light-emitting eReaders negatively affects sleep, circadian timing, and next-morning alertness.
Proceedings of the National Academy of Sciences, 112(4), 1232–1237.
DOI: 10.1073/pnas.1418490112. PMID: 25535358.
Kontrollierte Untersuchung zu Abendlicht, Melatonin und zirkadianem Timing.
Meta-analysis: melatonin for the treatment of primary sleep disorders.
PLoS ONE, 8(5): e63773.
DOI: 10.1371/journal.pone.0063773. PMID: 23691095.
Meta-Analyse von 19 randomisierten, placebokontrollierten Studien mit 1.683 Teilnehmenden.
Recommended Amount of Sleep for a Healthy Adult: A Joint Consensus Statement of the American Academy of Sleep Medicine and Sleep Research Society.
Empfehlung: gesunde Erwachsene sollten regelmäßig mindestens sieben Stunden schlafen.
Originales Consensus Statement der AASM/SRS
CannaRoKo ist der auf Medizinalcannabis spezialisierte Bereich der Robert-Koch-Apotheke in Bitterfeld-Wolfen. Apotheker und Inhaber Björn Arbter und sein Team informieren und beraten laut eigener Website unter anderem zu Anwendung und Wechselwirkungen bei Medizinalcannabis.