Cannabiskonsum im Winter: Steigt der Konsum bei Kälte?
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Ein allgemeiner Anstieg des Cannabiskonsums im Winter ist wissenschaftlich nicht belegt. Eine große US-Studie aus den Jahren 2015 bis 2019 fand sogar niedrigere Konsumraten zu Jahresbeginn und höhere Werte im Sommer und Herbst. Für Deutschland lassen sich daraus jedoch keine eindeutigen Schlussfolgerungen ziehen. (Palamar et al., 2021)
Trotzdem kann der Cannabiskonsum im Winter individuell zunehmen. Kürzere Tage, weniger Freizeitaktivitäten, Einsamkeit, Schlafprobleme und depressive Verstimmungen können dazu beitragen, dass manche Menschen häufiger konsumieren.
Andere verändern ihren Konsum kaum oder reduzieren ihn sogar. Entscheidend ist deshalb weniger die Außentemperatur als die Frage, wie die kalte Jahreszeit unseren Alltag, unsere Stimmung und unsere Gewohnheiten beeinflusst.
Besonders aufmerksam sollte man werden, wenn Cannabis zunehmend genutzt wird, um belastende Gefühle oder Schlafprobleme zu bewältigen.
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Beobachtung |
Mögliche Einordnung |
Worauf besonders achten? |
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Häufigerer Konsum an langen Abenden |
Mehr Freizeit oder weniger alternative Aktivitäten |
Wird aus gelegentlichem Konsum eine tägliche Gewohnheit? |
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Cannabis zum Einschlafen |
Versuch, Grübeln oder Unruhe zu reduzieren |
Steigen Dosis oder Einschlafprobleme ohne Cannabis? |
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Konsum bei gedrückter Stimmung |
Kurzfristige Bewältigung unangenehmer Gefühle |
Bleiben Antriebslosigkeit und Rückzug bestehen? |
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Mehr Konsum allein |
Möglicher Zusammenhang mit sozialem Rückzug |
Werden Verabredungen oder Verpflichtungen vermieden? |
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Gleiche Menge, stärkere Beeinträchtigung |
Müdigkeit und Cannabiswirkung können sich überlagern |
Treten Konzentrationsprobleme oder Benommenheit auf? |
Die Tabelle dient der persönlichen Orientierung. Keine einzelne Beobachtung beweist eine Cannabisabhängigkeit. Entscheidend sind die Entwicklung über längere Zeit, mögliche Kontrollverluste und die Auswirkungen auf den Alltag.
Wenn die Tage kürzer werden, verändert sich für viele Menschen der Alltag. Weniger Tageslicht, häufigere Aufenthalte in Innenräumen und eingeschränkte Freizeitmöglichkeiten können Auswirkungen auf Stimmung und Schlafverhalten haben.
Eine saisonale Depression geht dabei deutlich über gewöhnliche Wintermüdigkeit hinaus. Sie beschreibt depressive Episoden, die wiederholt zu bestimmten Jahreszeiten auftreten, häufig im Herbst und Winter. Typische Beschwerden sind gedrückte Stimmung, Interessenverlust, Energiemangel sowie Veränderungen von Schlaf, Appetit und Konzentration.
Das amerikanische National Institute of Mental Health beschreibt diese Symptome ausführlich. (NIMH – Seasonal Affective Disorder)
Für den möglichen Zusammenhang zwischen Winterdepression und Cannabis sind mehrere Faktoren relevant:
Weniger Tageslicht: Der Schlaf-Wach-Rhythmus und das psychische Wohlbefinden können beeinflusst werden.
Längere Abende: Mehr freie Zeit zu Hause kann zusätzliche Konsumgelegenheiten schaffen.
Weniger soziale Aktivitäten: Fehlende Beschäftigung kann bestehende Gewohnheiten verstärken.
Veränderte Stimmung: Manche Menschen versuchen, Langeweile, Niedergeschlagenheit oder innere Unruhe durch Konsum zu bewältigen.
Diese Zusammenhänge sind mögliche Erklärungen für individuelle Veränderungen, kein wissenschaftlicher Nachweis eines allgemeinen Mehrkonsums.
Auch das Thema Tageslicht und Wintergesundheit spielt eine Rolle. Weitere Hintergründe findest du in unserem Beitrag Vitamin-D-Mangel im Winter: Ursachen und Lösungen.
Manche Menschen erleben Cannabis kurzfristig als entspannend oder beruhigend. Insbesondere THC kann Wahrnehmung und Stimmung verändern. Diese subjektive Wirkung erklärt, weshalb Cannabis gelegentlich eingesetzt wird, um belastende Gedanken oder unangenehme Gefühle vorübergehend auszublenden.
Kurzfristige Entspannung ist jedoch nicht mit einer antidepressiven Behandlung gleichzusetzen.
Je nach THC-Dosis, individueller Empfindlichkeit und Konsummuster kann Cannabis auch unerwünschte psychische Wirkungen hervorrufen. Dazu gehören Angst, Unruhe, Konzentrationsschwierigkeiten oder eine verstärkte Beeinträchtigung des Alltags.
Eine vorübergehende Verbesserung des subjektiven Wohlbefindens bedeutet deshalb nicht automatisch, dass depressive Beschwerden langfristig zurückgehen.
Eine systematische Übersichtsarbeit im Fachjournal The Lancet Psychiatry untersuchte 83 Studien zur Anwendung von Cannabinoiden bei unterschiedlichen psychischen Erkrankungen.
Die Forschenden fanden keine ausreichende wissenschaftliche Evidenz für eine wirksame Behandlung depressiver Störungen durch Cannabinoide.
Allerdings untersuchten viele der einbezogenen Studien Personen, die Cannabinoide wegen anderer Erkrankungen erhielten. Auch deshalb sind die Ergebnisse nicht als abschließende Aussage über jede denkbare Anwendung zu verstehen.
Quelle: Black et al., 2019 – Cannabinoids for mental disorders and symptoms
Auch beim Schlaf ist eine Differenzierung wichtig. Eine systematische Übersichtsarbeit von Gates und Kollegen zeigte, dass die Ergebnisse zur Wirkung von Cannabinoiden auf den Schlaf uneinheitlich sind.
Schnelleres Einschlafen oder eine beruhigende Wirkung bedeuten nicht zwangsläufig eine langfristig bessere Schlafqualität.
Quelle: Gates et al., 2014 – Cannabinoid administration and sleep
Mehr dazu erfährst du in unserem Artikel Cannabis zum Schlafen: Wirkung, Risiken und Schlafqualität.
Der Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und Psyche ist komplex. Depressive Beschwerden können ein Grund dafür sein, häufiger Cannabis zu konsumieren. Gleichzeitig kann regelmäßiger Konsum mit psychischen Belastungen zusammenhängen.
Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass Cannabis eine bestehende Depression verursacht hat.
Eine Metaanalyse von elf prospektiven Studien untersuchte den Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum im Jugendalter und späteren psychischen Erkrankungen. Insgesamt wurden Daten von 23.317 Jugendlichen und jungen Erwachsenen berücksichtigt.
Die Ergebnisse zeigten einen Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum im Jugendalter und einem erhöhten späteren Risiko für Depressionen und Suizidalität.
Wichtig: Die Studie beweist keine direkte Ursache-Wirkungs-Beziehung und lässt sich nicht ohne Weiteres auf erwachsene Menschen übertragen, die im Winter zeitweise häufiger konsumieren.
Quelle: Gobbi et al., 2019 – Adolescent cannabis use and later depression
Neben psychischen Beschwerden können auch Motivation und Alltagsgestaltung eine Rolle spielen. Eine wissenschaftliche Einordnung findest du in unserem Beitrag Cannabis und Motivation: Macht Kiffen wirklich faul?.
Stell dir jemanden vor, der im Sommer nur gelegentlich mit Freunden Cannabis konsumiert. Im November werden die Tage kürzer, Sporttermine fallen häufiger aus und die Abende finden überwiegend zu Hause statt.
Aus gelegentlichem Konsum werden plötzlich vier Abende pro Woche.
Die betroffene Person begründet das zunächst mit dem Wunsch, nach der Arbeit besser abschalten zu können. Gleichzeitig fällt das morgendliche Aufstehen schwerer und die Motivation für Freizeitaktivitäten sinkt.
Was ist in diesem Beispiel Ursache und was ist Folge?
Möglicherweise beeinflusst die Jahreszeit die Stimmung. Vielleicht verstärkt aber auch der veränderte Konsum bestimmte Schwierigkeiten. Ebenso könnten mehrere Faktoren gleichzeitig eine Rolle spielen.
Ein Konsumtagebuch kann helfen, diese Entwicklungen besser zu erkennen.
Bei ärztlich verordnetem Cannabis ist außerdem die pharmazeutische Beratung relevant.
Die Steinern Apotheke in Mainz-Kastel bietet Informationen und Beratung rund um verschreibungspflichtiges Medizinalcannabis.
Im Rahmen der pharmazeutischen Beratung können insbesondere Fragen zur korrekten Anwendung, zu möglichen Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und zur Arzneimittelsicherheit besprochen werden.
Dabei können folgende Fragen hilfreich sein:
Wurde Cannabis ärztlich verordnet oder erfolgt der Konsum eigenständig?
Hat sich die Anwendung gegenüber dem ärztlichen Behandlungsplan verändert?
Bestehen mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten?
Sind ungewöhnliche Nebenwirkungen oder neue Beschwerden aufgetreten?
Wichtig ist die Abgrenzung: Eine Apotheke kann zur sicheren Arzneimittelanwendung beraten. Die Diagnose und Behandlung einer Depression, einer möglichen Abhängigkeit oder anderer psychischer Erkrankungen gehören jedoch in ärztliche beziehungsweise psychotherapeutische Hände.
Nicht jeder häufigere Cannabiskonsum bedeutet automatisch eine Abhängigkeit. Trotzdem kann es sinnvoll sein, Veränderungen des eigenen Verhaltens kritisch zu betrachten.
Besonders aufmerksam sollte man werden, wenn Cannabis zunehmend die einzige Strategie zur Bewältigung unangenehmer Gefühle wird.
Mögliche Warnzeichen sind:
Die ursprünglich geplante Konsummenge wird regelmäßig überschritten.
Der Konsum findet zunehmend morgens oder vor wichtigen Verpflichtungen statt.
Ohne Cannabis treten starkes Verlangen, Reizbarkeit oder Schlafprobleme auf.
Soziale Kontakte, Beruf oder Freizeitaktivitäten werden vernachlässigt.
Wiederholte Versuche, den Konsum zu reduzieren, scheitern.
Trotz negativer psychischer Auswirkungen wird weiter konsumiert.
Solche Anzeichen können auf ein problematisches Konsummuster hinweisen. Eine sichere Diagnose ist daraus allein jedoch nicht möglich.
Bei anhaltender Hoffnungslosigkeit, deutlichem Kontrollverlust oder psychischen Beschwerden sollte professionelle Unterstützung in Anspruch genommen werden.
Bei akuter Selbstgefährdung, schweren psychotischen Symptomen oder einer unmittelbaren psychischen Krise ist schnelle medizinische Hilfe notwendig.
In akuten Notfällen ist die 112 erreichbar. Für dringende, nicht lebensbedrohliche medizinische Probleme steht in Deutschland der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 zur Verfügung.
Wer bemerkt, im Winter häufiger Cannabis zu konsumieren, muss daraus nicht unmittelbar auf eine Abhängigkeit schließen.
Eine sinnvolle erste Maßnahme besteht darin, das eigene Verhalten über einen bestimmten Zeitraum zu beobachten.
Dafür kann ein Konsumtagebuch hilfreich sein. Über zwei bis vier Wochen werden beispielsweise Zeitpunkt, Menge, Konsumanlass, Stimmung und wahrgenommene Auswirkungen dokumentiert.
So lässt sich erkennen, ob Cannabis tatsächlich zur gewünschten Entspannung beiträgt oder zunehmend als automatische Reaktion auf Langeweile und Belastung eingesetzt wird.
Folgende Maßnahmen können bei nicht medizinisch verordnetem Konsum sinnvoll sein:
Konsumfreie Abende einplanen, um automatische Gewohnheiten zu erkennen.
Möglichst regelmäßig Tageslicht und Bewegung in den Alltag integrieren.
Soziale Kontakte und Freizeitaktivitäten bewusst aufrechterhalten.
Cannabis nicht mit Alkohol oder anderen sedierenden Substanzen kombinieren.
Veränderungen der Stimmung und des Schlafverhaltens beobachten.
Bei anhaltenden psychischen Beschwerden professionelle Hilfe suchen.
Bei medizinisch verordnetem Cannabis sollten Änderungen der Dosierung oder Anwendung mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.
Wer nach regelmäßigem Konsum eine Pause einlegt, kann vorübergehend Entzugssymptome erleben. Dazu gehören insbesondere Schlafprobleme, intensive Träume, innere Unruhe und Reizbarkeit.
Diese Beschwerden sind wissenschaftlich beschrieben und können die Reduktion erschweren. Sie bedeuten jedoch nicht automatisch, dass Cannabis zur Behandlung einer Erkrankung erforderlich ist.
Quelle: Connor et al., 2022 – Clinical management of cannabis withdrawal
Weitere Informationen zu einem bewussteren Umgang mit Cannabis findest du in unserem Artikel Gesünder kiffen: 3 Routinen für bewussten Konsum.
Auch die Konsumform kann eine Rolle spielen. Unser Beitrag Cannabis ohne Tabak: Konsum reduzieren ohne Verzicht beschäftigt sich unter anderem mit der zusätzlichen Belastung durch Nikotin.
Ob Menschen im Winter grundsätzlich mehr Cannabis konsumieren, ist wissenschaftlich nicht ausreichend belegt. Bevölkerungsbezogene Untersuchungen zeigen vielmehr, dass sich Konsummuster im Jahresverlauf unterschiedlich entwickeln können.
Individuell kann die kalte Jahreszeit dennoch einen erheblichen Einfluss haben.
Weniger Tageslicht, veränderte Freizeitaktivitäten, Schlafprobleme und depressive Beschwerden können dazu beitragen, dass Cannabis häufiger oder aus anderen Gründen konsumiert wird.
Entscheidend ist deshalb nicht ausschließlich die Menge, sondern auch der persönliche Konsumanlass und die Frage, welche Auswirkungen der Konsum auf den Alltag hat.
Cannabis kann zwar kurzfristig als entspannend erlebt werden, ist jedoch keine wissenschaftlich belegte Behandlung einer Depression.
Wer Veränderungen bemerkt, sollte das eigene Konsummuster beobachten und bei anhaltenden psychischen Beschwerden fachliche Unterstützung suchen.
Ein allgemeiner Anstieg des Cannabiskonsums im Winter ist wissenschaftlich nicht belegt. Eine große US-amerikanische Untersuchung fand sogar niedrigere Konsumraten zu Jahresbeginn. Individuelle Veränderungen sind dennoch möglich, etwa durch längere Abende, weniger Freizeitaktivitäten oder psychische Belastungen.
Cannabis kann von einzelnen Menschen kurzfristig als entspannend erlebt werden. Eine wissenschaftlich belegte Behandlung der saisonalen Depression stellt es jedoch nicht dar. Bei wiederkehrenden depressiven Beschwerden sollten ärztliche oder psychotherapeutische Behandlungsmöglichkeiten geprüft werden.
Ja, das ist möglich. Je nach individueller Empfindlichkeit, THC-Dosis und Konsummuster können beispielsweise Angst, Konzentrationsprobleme oder Beeinträchtigungen des Antriebs auftreten. Ob Cannabis tatsächlich zur Verschlechterung einer bestehenden Depression beiträgt, muss individuell beurteilt werden.
Mögliche Warnzeichen sind steigende Konsummengen, Kontrollverlust, erfolglose Reduktionsversuche oder die Vernachlässigung sozialer und beruflicher Verpflichtungen. Auch wenn Cannabis zunehmend zur einzigen Strategie gegen negative Gefühle wird, ist eine kritische Auseinandersetzung sinnvoll.
Ein Konsumtagebuch kann helfen, Veränderungen besser einzuordnen. Dabei werden Menge, Häufigkeit, Konsumanlass und Auswirkungen dokumentiert. Auch konsumfreie Abende, Bewegung und soziale Aktivitäten können hilfreich sein. Bei medizinisch verordnetem Cannabis sollten Veränderungen der Anwendung ärztlich abgestimmt werden.